Zum Denken brauche ich immer noch mein Knie und zum Schauen nun häufig eine Brille. Ich schaue hin, es schaut zurück. Dazwischen geschieht es: ein Blickfeld, ein Portrait, eine Tafel, eine Kaprize, eine Metamorphose… Ich fasse an, es greift zurück. Und schmiegt sich und fügt sich und steht und fällt, hält inne. Dazwischen wird Form und werden Scherben. Wenn etwas bleibt, ist es nicht mehr das, was es war — aber bereit und beredt für die nächste Begegnung.
Cause everybody’s living in a material world, and I am a material girl — Madonna 1984
Als Kind auf dem Dorf mit den Füßen im Bach genug Ton zwischen den Fingern für die erste Schildkröte
Alles bearbeitet was sich verwandeln ließ
Blei Bronze Stein Säure Fässer mit Pigmenten Holz gefasst Pastell Staub Gips und Glasur ersten Rakuofen mit 16 gebaut
Immer mit den Händen im Material
Im Boden
In der Farbe
Im Ton
Immer noch grabe meinen Ton
immer noch staune wie sich etwas verwandelt
Malen wie Suppe kochen, es ist allerhand drin in Brüh Brei Brocken Spuren nicht mehr was es war aber von all dem noch erzählend ein spezifischer Algorithmus aus Gedeihen inkorporierten Praktiken gegenwärtigem Zusammenspiel Materie Form.
Dass eine Sache oder eine Regung auch zugleich etwas anderes sein kann
Innen und außen Kleinsche Flasche
Unter die Haut gucken auch die eigene
Das Flüssige und das Feste Osmose und Redoxreaktion
Stein und Ton und Papier und Leinwand und Eisen und Chrom und Kupfer und Kobalt und Kadmium und Phtalo und Paynes und Kreide und Ei und Öl und Kohle und Kirschgummi und Asphalt und Kolophonium und Ruß und
Einen Stein in der Werkstatt schleppen und nach Stunden am Schleiftisch in Minuten im Takt von Atem und Momentum loslassen und zeichnen Absichtslosigkeit ja Fahr-Lässigkeit Kontrolle. Eine präzise Antwort im Geschehen finden Schicht um Schicht
Mich beschäftigen die Phänomene der erlebbaren Welt. Und ich interessiere mich dafür, was im Kleinen wie im Großen für Menschen von Bedeutung ist, und wie diese Bedeutung konstruiert wird. Dies untersuche ich in wechselnden Formaten, malend, schreibend, tätig, lehrend — im Selbstversuch und im Dialog, auch mit der vor und neben mir erschaffenen Kunst.
Werk und Leben mäandert und sedimentiert, ich kultiviere beides als Langsame Kunst an einem Langsamen Ort.